Bull’s Eye – Die Protagonisten: Menschen wie Du und ich

Das Manuskript: Ist abgeschlossen.
Die ersten Testleser: Sind dran.
Lektorat und letzte Korrekturen: Laufen.

Ein guter Moment also, sich einmal in Ruhe mit den Protagonisten dieser Geschichte auseinanderzusetzen. Menschen wie Du und ich. Aus dem Leben gegriffen.

Denn dieser Roman lebt nicht von Action oder billigen Effekten – er lebt von den Figuren, die ihn tragen. Die mitten im Leben stehen und uns an ihren Routinen, ihren Brüchen, ihrem Humor und ihren Widersprüchen teilhaben lassen. Menschen, wie man ihnen hier im Rhein-Main-Gebiet tatsächlich begegnen könnte. An Orten, die es wirklich gibt … man muss sie nur suchen!

Wen also treffen wir in Bull’s Eye – Kein Schuss, ein Treffer? Schauen wir nach!

Cem Aydin

Kriminalhauptkommissar bei der Kripo in Hanau. Cem ist 44 Jahre alt, Vater einer pubertierenden Tochter – Tara – und von seiner Frau Alba geschieden. Obwohl er dadurch im Alltag auf das Auto angewiesen ist, hat Cem sich für eine Wohnung in Rodgau-Weiskirchen entschieden. Und ist somit bewusst der Stadt und ihrer Hektik entflohen.

Die Wohnung ist eigentlich viel zu groß für ihn alleine, aber er genießt den Platz und hat wenigstens ein Zimmer für seine Tara, wenn sie ihn denn mal besuchen kommt. Was sie ruhig öfter tun könnte.

Karrieretechnisch ist er in Hanau irgendwie stecken geblieben. Seit über zehn Jahren auf der gleichen Stelle. Kein lauter Ermittler, keiner, der sich in den Vordergrund drängt oder profilieren will. Was ihn antreibt, ist ein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit und Verantwortung. Gegenüber dem Job, aber vor allem gegenüber den Menschen in seinem Umfeld.

Er bildet mit seinem alten Partner Frank ein eingespieltes Team – oder vielmehr: Er bildete es. Denn Frank fällt aus und Cem muss mit der jungen LKA-Beamtin Silvia zurechtkommen, die ihm als Ersatz zugeteilt wird.

Silvia Bergfeld

Kriminalkommissarin beim LKA in Wiesbaden – und auf eigenen Wunsch aus privaten Gründen nach Hanau abgeordnet. Silvia ist 32 Jahre alt, alleinstehend und gerade aus einer unschönen Beziehung ausgestiegen. Eine Entscheidung, die auch praktische Konsequenzen hatte: Statt in ihrer Wohnung in Wiesbaden lebt sie nun in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung des LKA in der Hanauer Innenstadt.

Silvia ist analytisch, strukturiert und im Team diejenige mit dem Hang zur Perfektion. Sie stammt aus eher gehobenen Verhältnissen – mehr Einfamilienhaus als Mietwohnung. Sie hätte ohne Weiteres Juristin werden können, entschied sich jedoch bewusst für die Polizeilaufbahn. Eine Entscheidung aus Überzeugung, nicht aus Mangel an Alternativen.

Kochen gehört eigentlich zu ihren festen Ritualen. Frisch, gesund, durchdacht. In Hanau jedoch lebt sie gezwungenermaßen von Pizza und Döner – nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil allein Kochen irgendwann seinen Reiz verliert.

Von der Zusammenarbeit mit Cem erhofft sie sich vor allem eines: Erfahrung. Als sie dem „alten Hasen“ zugeteilt wird, muss sie jedoch schnell feststellen, dass sich eine echte Partnerschaft erst entwickeln muss. Aber Silvia wäre nicht Silvia, wenn sie deshalb aufgeben würde.

Ute Krämer

Ute ist das „Hirn“ der Kriminaltechnischen Inspektion – der KTI. Sie ist 39 Jahre alt, Single, hochkompetent und Cem gegenüber durchaus nicht uninteressiert. Leider erkennt der leicht verschusselte Umschwärmte das nicht. Oder er will es schlicht nicht erkennen.

Als mit Silvia eine neue Kollegin ins Team kommt, ist Ute zunächst wenig begeistert. Doch nach und nach stellt sie fest, dass Cem und Silvia zwar als Team gut funktionieren, darüber hinaus aber keine weiterführenden Interessen entwickeln. Eine Erkenntnis, die Ute spürbar entspannt.

Im Arbeitsalltag neigt sie zu trockenem Sarkasmus – besonders dann, wenn Cem in ihrer Gegenwart wieder einmal von seiner Ex-Frau oder den Problemen mit seiner Tochter erzählt. In diesen Momenten wird Ute klar, dass er sie als Kumpel und Kollegen sieht. Und eben nicht mehr. Was sie nicht davon abhält, es immer mal wieder zu versuchen…

Es braucht schon einen gewissen Einsatz, bis es ihr schließlich gelingt, den eher begriffsstutzigen Kollegen tatsächlich zu einem Date zu überreden…

Und wie geht es weiter?

So – damit haben wir die drei Hauptcharaktere der Polizei vereint – im nächsten Blogpost stelle ich Euch dann noch zwei weitere Protagonisten vor. Und erkläre, warum es für mich als Autor wichtig ist, sprichwörtlich „ein Bild“ meiner Figuren vor Augen zu haben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Anmerkung

Alle Bilder von Personen sind KI-generiert – Midjourney war hier am Werk. Bis ich sie allerdings so hatte, wie ich sie mir vorstellte, ist eine ganze Zeit vergangen. Und jede Menge Hirnschmalz in die Prompts geflossen.

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Warum mein neues Buch kein Wohlfühlroman ist – und das auch nicht sein will

Zu spät ist auch ein Ort“ war ein leiser Roman. Einer, der Zeit gebraucht hat. Und der aus einem Impuls heraus entstanden ist – nicht ich wollte diese Geschichte schreiben, nein: Die Geschichte wollte geschrieben werden.

Und dann hat mir jemand gesagt, dass dies nicht ihr Buch wäre. Zu leise, zu ruhig, nicht ihr Genre. Und das ist für mich vollkommen in Ordnung. Ein Buch drängt sich nicht auf, es lädt ein. Und es ist ebenso in Ordnung, diese Einladung auszuschlagen.

Aber dennoch wollte diese Person etwas von mir lesen.
Was also tun? Wie umgehen mit der Frage: „Schreibst du auch Krimis?“

Die erste Antwort war ein Reflex: Nein. Nicht mein Metier. Zu viel Konkurrenz. Nicht mein Ding.

Ich bin nach Hause gefahren. Habe über diese Bitte nachgedacht. Habe mich an meinen Schreibtisch gesetzt. Warum eigentlich nicht?

Aber nicht so, wie sie es vielleicht von mir erwartet. Wenn schon ein Krimi – dann einer, an dem ich beim Schreiben Spaß habe. Einer, bei dem ich Dinge tun und lassen darf, die ich sonst eher nicht tun würde.

Gesagt, getan. Einen Plot kann man ja mal runterschreiben. Gewünscht ist gewünscht. Ein Krimi. Nicht irgendwo, sondern hier, bei uns. Und dieses „Hier bei uns“ heißt: Rhein-Main-Gebiet. Regional.

Und böse. Bitterböse. Voll von schwarzem Humor.

Schwarzer Humor ist kein Witz auf Kosten anderer, kein Zynismus und ganz sicher kein Mittel, um Leid kleinzureden. Schwarzer Humor lässt uns lachen, wo es eigentlich nichts zu lachen gibt. Er erlaubt Nähe, wo wir lieber auf Abstand bleiben würden. Er schafft Absurditäten, die weit genug vom Alltag entfernt sind, um sie gefahrlos aus der Nähe zu betrachten.

Die Figuren sind keine Helden – und keine Monster. Sie sind müde, eigensinnig, verloren und manchmal unerquicklich. Sie treffen Entscheidungen, die man nicht gutheißen kann. Aber vielleicht verstehen. Zumindest ein Stück weit. Moralisch sauber? Eher nicht. Interessant? Sehr wahrscheinlich. Menschen wie du und ich.

Die Orte sind real. Nicht die glitzernde Rhein-Main-Metropole mit ihren Hochhäusern und Postkartenmotiven. Sondern Hanau. Das Kinzigtal. Seligenstadt. Orte, die man kennt – und, wenn man sie kennt, wiedererkennt. Mit voller Absicht. Und wer sie nicht kennt, wird sie kennenlernen.

Noch ist dieses Buch nicht fertig. Es soll reifen, wachsen, die Kinderschuhe abstreifen. Aber ich wollte euch schon jetzt davon erzählen. Nicht laut. Nicht marktschreierisch. Eher als eine kleine, unmissverständliche Warnung.

Während es in „Zu spät ist auch ein Ort“ um das Leben nach einschneidenden Erlebnissen ging, geht es hier um die Banalität des Alltäglichen. Gepaart mit Absurditäten. Gewürzt mit einer ordentlichen Prise schwarzen Humors. Und garniert mit dem Tod, der eher zufällig zu seinen Auftritten kommt.

Guten Appetit.

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Die leisen Zwischentöne

Warum uns Geschichten oft mehr über uns selbst verraten als über ihre Figuren

Es gibt sie, diese Momente beim Lesen, die man absolut nicht planen kann. Als Leser nicht vorhersehen kann, als Autor nicht planen kann. Und trotzdem sind sie da.

Ein Satz, der hängen bleibt, ein Bild, das sich ins Gedächtnis schummelt. Nicht laut, nicht dramatisch – es ist einfach da. Und plötzlich liest Du langsamer, liest vielleicht ein zweites Mal. Legst das Buch zur Seite und denkst nach.

Keine blitzartige Eingebung, keine wundersame Lösung – aber vielleicht ein leises Nachdenken. Ein Wiedererkennen.

„Mensch, das kenn ich doch …!“

Irgendwann liest man weiter, aber etwas ist passiert. Nicht im Text … in einem selbst.

Lesen ist Entschleunigung

In einer Zeit, die eigentlich nur aus schnellem Konsum besteht, sind Bücher ein Anachronismus – aus der Zeit gefallen!

Der Konsum will etwas von uns: Aufmerksamkeit, Zustimmung, ein Like in einem sozialen Netzwerk, unsere Zeit. Bücher fordern nichts von uns – nicht einmal Zeit, denn wer lesen will, investiert diese Zeit – sie gehört den Leserinnen und Lesern, nicht dem Buch. Bücher sind anders.

→ Sie erklären nicht.
→ Sie behaupten nicht.
→ Sie bestimmen nicht.

Ein Buch ist eine Einladung in eine andere Welt. Beim Lesen einer Geschichte nehmen wir die Figuren nicht nur wahr, wir beginnen – zumindest bei guten Büchern – die Welt durch die Augen der Protagonisten zu sehen. Ihre Welt wird durch den Leser lebendig – durch die Erfahrungen, Erinnerungen, eigenen Bilder, Stimmungen – und manchmal Dinge, an die wir uns gar nicht erinnern können. Eine gute Geschichte liefert keine Antworten – sie bietet Resonanzraum!

Die Wirkung eines Textes bestimmt selten der Autor – das Zusammenspiel entsteht zwischen dem Text und dem Leser.

Figuren sind Spiegelbilder, keine Vorbilder

Wenn wir uns in einer Figur „wiederfinden“, meinen wir oft nicht, dass sie uns ähnlich ist. Wir meinen etwas anderes:

→ Eine Entscheidung, die die Figur getroffen hat, erinnert uns an eine eigene.
→ Ein Zögern der Figur – es kommt uns vertraut vor.
→ Ein Schweigen wirkt umso lauter, weil wir die Stille selbst erlebt haben.

Figuren müssen nicht sympathisch sein, um ihre Wirkung zu entfalten. Sie müssen uns ansprechen – durch ihre Brüche, ihre Widersprüche, ihre Unsicherheiten, ihre Unentschlossenheiten. Ihr Handeln oder Nicht-Handeln löst etwas in uns aus, eben weil wir es auf eigene Erfahrungen projizieren können. Wir erleben die Figur durch unser Sein.

Eine gute Figur erlaubt diese Identifikation – sie bleibt offen, sie lässt Raum für Deutung, sie ermöglicht Erinnerung. Und sie provoziert Fragen.

Offene Welten hallen nach

Die vielleicht größte Stärke einer Geschichte kann ihre Unvollkommenheit sein. Nicht, weil sie den Plot offen lässt – sondern weil sie bewusst Freiräume schafft.

→ Den Freiraum eines unvollendeten Dialogs.
→ Den Freiraum eines nicht erklärten Blicks.
→ Den Freiraum eines offenen Endes.

Was auf den ersten Blick wie eine Schwäche wirkt, ist in Wirklichkeit eine Einladung. Eine Einladung an jede Leserin und jeden Leser. Das Buch mag zu Ende sein, aber der Text hört nicht mit dem letzten Buchstaben auf – er setzt sich im Leser fort. Man denkt nach dem Lesen weiter, manchmal unbewusst, manchmal erst Tage oder Wochen später.

→ Ein Satz kommt einem wieder in den Sinn.
→ Eine Szene schleicht sich zurück in das Bewusstsein.
→ Eine Figur verweigert den Abschied, auch wenn das Buch längst geschlossen ist.

Es sind die Leser, die die Geschichte deuten – der Text ist nur der Anstoß.

Lesen verändert

Lesen ist eine der wenigen Tätigkeiten, bei denen wir gleichzeitig still sind und innerlich in Bewegung. Wir ruhen und sind dennoch in Bewegung. Wir hören zu, ohne selbst zu sprechen – und führen doch einen Dialog.

Vielleicht erklärt das, warum Geschichten uns manchmal mehr über uns selbst verraten als über ihre Welt. Sie konfrontieren uns nicht frontal, sondern indirekt. Sie lassen uns fühlen, bevor wir verstehen. Und oft verstehen wir erst viel später.

→ Ein gutes Buch zwingt uns zu nichts.
→ Es drängt nicht.
→ Es fordert nicht.
→ Es bleibt, wenn man es ihm erlaubt.

Balance – nicht nur beim Schreiben

Eigentlich heißt es ja „Wer schreibt, der bleibt“, aber wo ist da der Stil? Bedeutung entsteht selten durch Lautstärke. Das gilt im Beruf wie im Buch.

Bedeutung entsteht zwischen den Zeilen. In der Reduktion. Und im Vertrauen in die Fähigkeiten der Leser. Nicht alles muss gesagt werden. Nicht alles muss erklärt werden. Nicht alles muss gelöst werden.

Vielleicht ist es das, was eine gute Geschichte ausmacht:

→ Sie führt uns nicht an, sie begleitet.
→ Sie belehrt uns nicht, sie regt zum Nachdenken an.
→ Sie gibt uns keine Lösungen, sie zeigt uns Möglichkeiten.

Ein gutes Buch erlaubt es der Leserin oder dem Leser, darin einzutauchen, in der Geschichte aufzugehen und vielleicht … nur vielleicht! … sich selbst darin zu begegnen.

Am Ende bleibt nur die eine Frage

Bin ich bereit, mich darauf einzulassen? Erlaube ich einer Geschichte, mich dazu zu bringen, etwas über mich selbst zu erzählen? Bin ich bereit für eine Leserreise mit vielleicht ungewissem Ausgang?

Vielleicht lohnt es sich also, beim nächsten Lesen darauf zu achten. Auf das Leise. Auf das, was nicht geschrieben steht. Auf das Echo meiner selbst.

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Einen fröhlichen 1. Advent

Heute, zum 1. Advent, möchte ich allen Leserinnen und Lesern eine besinnliche und friedliche Vorweihnachtszeit wünschen – natürlich: das Weihnachtsfest steht vor der Tür, allerlei Besorgungen müssen noch gemacht werden und der ein oder die andere wird auch einen kritischen Blick auf den Kontostand, die eigene Lebenssituation, oder im Vorgriff auf Silvester auch auf das vergangene Jahr werfen.

Lasst euch gesagt sein: nicht alles, was ihr im Rückblick betrachten werdet, wird schön sein – aber hoffentlich sind auch viele schöne Momente dabei! Meinem Hendrik ergeht es bei seiner plötzlichen und unvorbereiteten Rückkehr in seine alte Heimat nicht anders. Und so möchte ich euch Heute eine kleine Kostprobe seiner Schwierigkeiten geben – quasi eine kurze Leseprobe.

Die Tage vergingen rasch. Der November mit seinen trostlosen Feiertagen trug nicht dazu bei, eine fröhliche Stimmung aufkommen zu lassen. Volkstrauertag, Buß- und Bettag sowie Totensonntag – das alles erinnerte sie an Thies.
Und auch sonst war nicht alles nur harmonisch, aber die Zeit, die Maren und Hendrik zu zweit oder mit Ben verbrachten, trug Licht und Wärme in die dunklen Novemberabende.
Es hatte sich im Ort herumgesprochen, dass die „alleinerziehende Lehrerin“ mit dem „Kerl, der aus Indien oder Afrika zurückgekommen war“ ein sehr freundschaftliches Verhältnis pflegte. Für manche der Alteingesessenen ein zu freundschaftliches Verhältnis.
Maren und Hendrik hatten es erfahren, als sie an einem Samstagabend Ende November wieder bei Savas waren. Die Gäste zwei Tische weiter hatten sie erkannt und ein wenig zu laut getuschelt.
Der freundliche Grieche hatte mit leisen Worten an dem anderen Tisch ein Machtwort gesprochen, doch der Schaden war angerichtet.
Und so glitten die Tage vorbei. Ende November fiel pünktlich zum ersten Advent der erste Schnee und deckte das Land mit einer weißen Schicht Unschuld ein.


Für Hendrik war der Abend beim Griechen eine Art Weckruf gewesen. Es war ihm klar geworden, dass seine Anwesenheit hier und auf Thies’ Hof nicht nur seine Privatsache war.
„Das hier ist ein Dorf“, musste er sich in Erinnerung rufen. „Du lebst nicht in ihm, du lebst mit ihm. Und die Älteren wissen, wer du bist.“
Die Erkenntnis war erst einmal erschreckend, und er fragte sich auch, was für eine Bedeutung das für Maren und Ben haben würde. Die ersten Anzeichen waren ja bereits zu sehen.
„Und Ben wird das in der Schule mitbekommen“, fürchtete er. „Sie werden ihm erzählen, wer der Typ ist, der da im Haus seines Onkels wohnt.“
„Und? Was machst du jetzt?“, fragte sein kleiner innerer Teufel ihn an einem düsteren Morgen Anfang Dezember. „Geh doch einfach woanders hin, das wäre einfacher für dich!“
Hendrik hatte die Stimme ignoriert, sie mit Verachtung gestraft. Aber sie war immer und immer wieder zu hören gewesen.
„Geh doch einfach!“
Im Grunde genommen war das gar keine schlechte Idee, überlegte er. Das würde die Probleme für alle doch sofort lösen.
„Oder? Würde es das wirklich?“
„Du bist schon mal von hier geflohen, erinnerst du dich?“, meldete sich Thies’ Stimme in seinem Kopf. „Und? Hat es funktioniert?“
„Nur, weil es damals nicht funktioniert hat, heißt es nicht, dass es heute auch nicht funktioniert!“, erwiderte das kleine Teufelchen trotzig.
Thies’ Stimme war leise aber eindringlich.
„Weglaufen ist keine Lösung, Hendrik“, sagte sie. „Und das weißt du auch!“
„Und?“, spottete das kleine Teufelchen. „Hierbleiben ist eine Lösung? Du wirst nur alle unglücklich machen!“
Die Stimme machte eine Pause, setzte dann zum alles entscheidenden Schlag an.
„So wie du immer alle unglücklich gemacht hast!“
Die Tasse flog quer durch die Küche, knallte an die gegenüberliegende Wand und zersplitterte in tausend kleine Stücke. Der Inhalt hinterließ einen dunklen Fleck, in den man tausend Figuren hätte interpretieren können. Der Rest rann zu Boden.

Zu spät ist auch ein Ort – D. Z. Fraser, 2025
Auszug aus Kapitel 5: Spuren

Ihr seht: da läuft nicht alles so, wie es erhofft, erwünscht und ehrlicherweise wenig geplant war. Hendriks Dämonen sind mit ihm ins Alte Land zurückgekehrt – und die offene Frage ist: Wie wird er sich ihnen stellen? Wird er sich ihnen stellen?

Zu spät ist auch ein Ort ist ein ruhiger Roman, der unseren Protagonisten Hendrik Seversen zurück ins Alte Land holt. Zwanzig Jahre war er nicht mehr dort – eine lange Zeit. Er hofft, eine alte Freundschaft wiederbeleben zu können, und muss doch feststellen: Alles ist anders, alte Gewissheiten sind verschwunden, neue Fundamente müssen gelegt werden.

👉 Wenn Du noch einen stillen Roman für die dunkle Jahreszeit suchst, wenn Du die Adventstage und die Weihnachtszeit etwas nachdenklicher gestalten möchtest, dann lege ich Dir Hendrik und seinen Weg ans Herz.

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Literatur zum Genießen – Wortwörtlich!

Ein gutes Buch ist Futter für die Seele – und gutes Essen ebenso. Und weil es ein natürliches Bedürfnis ist, seinen Hunger nicht nur zu stillen, sondern auch zu genießen, tauchen in meinen Texten immer wieder sehr spezifische Gerichte auf.

Ganz häufig verbinde ich damit etwas aus der Szene: einen Moment, ein Gefühl, ein bestimmtes Setting oder Lokalkolorit (manchmal im wahrsten Sinne des Wortes im Lokal).

Und weil ich es gerne authentisch habe, müssen die beschriebenen Gerichte auch kochbar sein – am Besten im Kontext des Romans.

Deshalb habe ich mich entschlossen, Euch ein kleines Schmankerl zu servieren: zwei Rezepte aus meinem Roman Zu spät ist auch ein Ort.
Hendrik, der nach vielen Jahren im Ausland ins Alte Land zurückkehrt, bringt Rezepte aus der großen Welt mit – und trifft doch immer wieder auf norddeutsche Tradition. Beides fließt in die folgenden Gerichte ein.

Erfreut Euch an einem Rezept für eine Golden Latte als seelenwärmenden, gesunden Trunk sowie an Oma’s Dorsch mit Bratkartoffeln und Senfsoße, modern angepasst auch an den Air Fryer, den Hendrik für sich im Laufe der Geschichte ersteht…

👉 Rezepte, die im Roman auftauchen – und in Eurer Küche lebendig werden.

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November = Dunkle Jahreszeit = Lesezeit!

Mit einem Stück Kuchen, einer Tasse Kaffee und einem guten Buch gegen die dunkle Jahreszeit – und noch auf der Suche nach einem ruhigen, reflektierenden Roman?

Dann kommt Hendrik genau richtig: Er kehrt unvermutet aus Indien zurück ins Alte Land, in die Heimat seiner Jugend.

Gestrandet wie Treibholz am Elbdeich sucht er nach seinem Platz im Leben – und nach seinem Jugendfreund Thies. Doch alles kommt anders als erwartet. Hendrik merkt schnell: Der Weg nach vorn beginnt oft mit einem Blick zurück.

Wenn Ihr stille, nachdenkliche Romane mögt, probiert „Zu spät ist auch ein Ort“ gern aus – als eBook, Kindle Unlimited oder Taschenbuch.

👉 Hendrik würde sich mit Sicherheit über „Leser-Begleitung“ auf seiner Reise freuen…

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Neuanfang nach Krise – Wenn das Leben die Richtung ändert

Es gibt sie, diese Momente, in denen dein Leben einfach stoppt. Nicht sanft, nicht wie das Abbremsen vor einer roten Ampel. Eher wie eine Notbremsung. Abrupt. Hart. Schnell. Unerwartet.

Eben war noch alles wie immer, jetzt ist nichts mehr wie zuvor. Und du stehst da – ohne Plan, ohne Ziel, ohne deinen inneren Kompass. Und das ist der Moment, in dem du weißt: So geht es nicht weiter!

Für manche ist es ein Burnout, für andere ein Verlust, eine Trennung oder einfach nur das Gefühl, sich selbst irgendwo unterwegs verloren zu haben. Für mich war es das Gefühl, nicht rechtzeitig „abgebogen zu sein“.

Was nun folgt, ist oft eine deutliche Veränderung. Sie muss nicht laut sein, sie muss nicht pompös daherkommen – oft ist es eine leise, langsame Veränderung. Ein Prozess, der mit dem ersten Schritt beginnt, aber keines falls damit abgeschlossen ist.

Der Punkt, an dem man stehen bleibt

Wahrscheinlich kennst Du das auch – viele Menschen erleben es: Man hat alles getan, alles versucht. Hat sich angepasst, hat sich eingeredet, dass es eigentlich gar nicht so schlimm ist und dass man sich nur anpassen muss. Das Leben ist halt so!

Und dann ergibt plötzlich nichts mehr einen Sinn. Da ist nur noch Leere. Und irgendwo in der Leere findet man meistens die Erkenntnis, die einen schon länger begleitet hat: es ist Zeit für eine Veränderung.

Wahrscheinlich ist es die ehrlichste Form der Sinnsuche – nicht intellektuell, als „spirituelle Flucht“, nicht programmatisch als „Lebensplan“. Sondern einfach die ganz praktische Notwendigkeit, eine Antwort auf die eine Frage zu finden: Wie will ich eigentlich leben?

Wobei „leben“ hier symbolisch ist – es muss nicht immer um das eigene Leben gehen. Es kann um Freundschaften gehen, Freundeskreise, Arbeit, Arbeitgeber. Aber natürlich auch um Partner, Ehen, Wohnorte, Lebensmittelpunkte.

„Wie will ich eigentlich leben?“

Manchmal führt der Weg hinaus in die Fremde. Und manchmal führt er zurück. Zurück zu Orten, die man längst hinter sich gelassen glaubte. Die man fast vergessen hat. Zurück zu Menschen, von denen man dachte, sie wären Vergangenheit. Zu Träumen, die man schon lange abgehakt hatte. Und mitunter findet sich etwas Unerwartetes: eine zweite Chance.

Neu anfangen heißt nicht: Das Alte einfach fortsetzen

Selten ist ein Neuanfang ein kompletter Schnitt. Das ist in den allermeisten Fällen auch gar nicht nötig! Wir sollten es eher als eine Art von „vorsichtigem Aufräumen“ betrachten. Manchmal auch einfach nur „Umräumen“.

Die Welt ist voll von Ratgebern, die uns vorschlagen, unser Leben komplett auf den Kopf zu stellen – und ja, für manche(n) mag das der richtige Weg sein. Minimalistisch Leben. Von heute auf Morgen ausschließlich vegane Ernährung. Weggehen in ein anderes Land. All das sind Optionen – und wir werden genügend Ratgeber finden, die uns suggerieren, dass genau dort das Glück auf uns wartet.

Doch für die allermeisten bedeutet Neuanfang nicht unbedingt einen radikalen Schnitt – oder zumindest sollte man in den allermeisten Fällen vor den Schnitt die Stille setzen. Nachdenken. Mit einem ehrlichen Blick auf sich, sein Leben und seine Optionen. Ein Blick auf das, was war. Und das was werden kann.

Das Alte einfach fortzusetzen funktioniert ebenfalls nur selten – oft ist es eher eine Art „Selbstbetrug“. Man ändert seine Sicht auf die Dinge. Oder versucht, sich einzureden, dass man seine Sicht geändert hat. Aber nur allzu oft wird das Problem dadurch nur vertagt. Und man steht früher oder später wieder vor der gleichen Frage.

Kleiner, aber sehr wichtiger Einschub

Es wäre falsch zu glauben, dass Nachdenken immer der erste Schritt sein kann. Es gibt Situationen, in denen keine Zeit bleibt – in denen man sich schützen, fliehen, Hilfe holen muss. Gewalt, Missbrauch, seelischer oder körperlicher Zwang – das sind keine Phasen der „Selbstfindung“, sondern Notlagen. Wer sich in so einer Lage befindet, braucht keine Stille, sondern Unterstützung. Manchmal ist Handeln der einzig mögliche Neuanfang.

Können Geschichten Antworten geben?

Grundsätzlich würde ich sagen: „Nein, eine Geschichte kann Dir keine Antwort geben. Sie kann keine Therapie ersetzen, sie kann Dich nicht verändern, sie hat nicht die magische Antwort auf die Fragen Deines Lebens!“

Aber: Geschichten können uns dabei unterstützen, Antworten zu finden, die wir längst kennen. Sie können uns darin bestärken, nachzudenken und zu reflektieren. Sie sind kein Heilmittel, aber sie können ein gedankliches Hilfsmittel sein.

Die Geschichte um Hendrik und Maren ist nicht entstanden, weil ich sie einfach mal so schreiben wollte – sie hat schon einen Auslöser. Genaugenommen hat sie mehrere.

Wenn Geschichten das Leben spiegeln

In meinem Roman „Zu spät ist auch ein Ort“ lasse ich meinen Protagonisten, Hendrik, zunächst die Flucht antreten, nach Sinn suchen und letztlich doch scheitern und nach Hause zurückkehren. Es dauert zwar zwei Jahrzehnte, aber er kommt zurück ins Alte Land, landet genau dort, wo er zu seiner Reise aufgebrochen ist.

Sein Leben wurde mehr als einmal auf den Kopf gestellt – mehr als einmal hat er mit dem immer gleichen Muster reagiert: Flucht. Und muss sich nun der Erkenntnis stellen, dass ihn diese Flucht zwar weg, aber nie vorangebracht hat.

Aber er ist nicht der Einzige, dessen Leben nicht so verlaufen ist, wie erhofft, erträumt, erwünscht oder geplant. Denn das Leben lässt sich nicht planen. Da ist noch Maren. Die Schwester seines alten Freundes Thies. Und Maren hat ihr eigenes Päckchen zu tragen. Und kein kleines.

Hendrik erkennt, dass er nicht alleine ist mit seinen Problemen – seine Vergangenheit ist individuell, aber die Tatsache, dass auch andere an ihren individuellen Vergangenheiten zu kauen haben, ist neu. Ebenso die Erkenntnis, dass Weglaufen nur eine der Strategien ist, die nicht funktioniert. Sich einzuigeln und vor dem Leben zu verstecken ist die andere, ebenso erfolglose.

Keine Antworten, aber Anregungen

Ich denke, der Roman kann auf vielfache Weise gelesen werden: als „Feel-Good-Roman“, als stilles Buch, das helfen kann, etwas vom Alltag „runterzukommen“, als Hommage an das Alte Land – und eben als etwas, das einen selbst zum Nachdenken anregen kann.

Es geht um alte Freundschaften, Erinnerungen, die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Aber es geht auch im Neuanfang, Verantwortung für andere und die Frage ob „zu spät“ auch „zu spät“ bleiben muss.

Natürlich ist der Roman überspitzt positiv – wer schon „down“ ist, will nicht noch über die Unwägbarkeiten des Lebens lesen müssen. Und trotzdem kann die Geschichte eine Botschaft transportieren. Dass es eben nicht unbedingt „zu spät“ ist. Dass ein Neuanfang durchaus möglich ist. Und das zu den ersten Schritten auch die Beschäftigung mit der Vergangenheit gehört.

Mehr will der Roman nicht – er will unterhalten, er will neugierig machen. Und er will zum Nachdenken anregen.

Mehr über das Buch:

  • „Zu spät ist auch ein Ort“ auf fraser-books.de
  • Als eBook, Kindle Unlimited, und Taschenbuch auf Amazon

„Über den Moment, in dem alles stoppt – und wie Neuanfang, Sinnsuche und Freundschaft in ‚Zu spät ist auch ein Ort‘ neue Wege zeigen.“

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Frisch aus der Druckpresse

Die ersten zehn Exemplare von Zu spät ist auch ein Ort liegen nun vor mir. Es ist immer ein schönes Gefühl, wenn das Buch fix und fertig beim Verfasser eintrudelt. Natürlich, ich habe vorher die Lektorats-Version, die Probedrucke für die Testleser und natürlich meine Druckfahnen gesehen. Aber das finale Werk ist dann doch noch einmal etwas anderes!

Mehr zum Buch, Hintergründe, Bezugsquellen usw. findest Du hier.

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