Heute, zum 1. Advent, möchte ich allen Leserinnen und Lesern eine besinnliche und friedliche Vorweihnachtszeit wünschen – natürlich: das Weihnachtsfest steht vor der Tür, allerlei Besorgungen müssen noch gemacht werden und der ein oder die andere wird auch einen kritischen Blick auf den Kontostand, die eigene Lebenssituation, oder im Vorgriff auf Silvester auch auf das vergangene Jahr werfen.

Lasst euch gesagt sein: nicht alles, was ihr im Rückblick betrachten werdet, wird schön sein – aber hoffentlich sind auch viele schöne Momente dabei! Meinem Hendrik ergeht es bei seiner plötzlichen und unvorbereiteten Rückkehr in seine alte Heimat nicht anders. Und so möchte ich euch Heute eine kleine Kostprobe seiner Schwierigkeiten geben – quasi eine kurze Leseprobe.
Die Tage vergingen rasch. Der November mit seinen trostlosen Feiertagen trug nicht dazu bei, eine fröhliche Stimmung aufkommen zu lassen. Volkstrauertag, Buß- und Bettag sowie Totensonntag – das alles erinnerte sie an Thies.
Und auch sonst war nicht alles nur harmonisch, aber die Zeit, die Maren und Hendrik zu zweit oder mit Ben verbrachten, trug Licht und Wärme in die dunklen Novemberabende.
Es hatte sich im Ort herumgesprochen, dass die „alleinerziehende Lehrerin“ mit dem „Kerl, der aus Indien oder Afrika zurückgekommen war“ ein sehr freundschaftliches Verhältnis pflegte. Für manche der Alteingesessenen ein zu freundschaftliches Verhältnis.
Maren und Hendrik hatten es erfahren, als sie an einem Samstagabend Ende November wieder bei Savas waren. Die Gäste zwei Tische weiter hatten sie erkannt und ein wenig zu laut getuschelt.
Der freundliche Grieche hatte mit leisen Worten an dem anderen Tisch ein Machtwort gesprochen, doch der Schaden war angerichtet.
Und so glitten die Tage vorbei. Ende November fiel pünktlich zum ersten Advent der erste Schnee und deckte das Land mit einer weißen Schicht Unschuld ein.
Für Hendrik war der Abend beim Griechen eine Art Weckruf gewesen. Es war ihm klar geworden, dass seine Anwesenheit hier und auf Thies’ Hof nicht nur seine Privatsache war.
„Das hier ist ein Dorf“, musste er sich in Erinnerung rufen. „Du lebst nicht in ihm, du lebst mit ihm. Und die Älteren wissen, wer du bist.“
Die Erkenntnis war erst einmal erschreckend, und er fragte sich auch, was für eine Bedeutung das für Maren und Ben haben würde. Die ersten Anzeichen waren ja bereits zu sehen.
„Und Ben wird das in der Schule mitbekommen“, fürchtete er. „Sie werden ihm erzählen, wer der Typ ist, der da im Haus seines Onkels wohnt.“
„Und? Was machst du jetzt?“, fragte sein kleiner innerer Teufel ihn an einem düsteren Morgen Anfang Dezember. „Geh doch einfach woanders hin, das wäre einfacher für dich!“
Hendrik hatte die Stimme ignoriert, sie mit Verachtung gestraft. Aber sie war immer und immer wieder zu hören gewesen.
„Geh doch einfach!“
Im Grunde genommen war das gar keine schlechte Idee, überlegte er. Das würde die Probleme für alle doch sofort lösen.
„Oder? Würde es das wirklich?“
„Du bist schon mal von hier geflohen, erinnerst du dich?“, meldete sich Thies’ Stimme in seinem Kopf. „Und? Hat es funktioniert?“
„Nur, weil es damals nicht funktioniert hat, heißt es nicht, dass es heute auch nicht funktioniert!“, erwiderte das kleine Teufelchen trotzig.
Thies’ Stimme war leise aber eindringlich.
„Weglaufen ist keine Lösung, Hendrik“, sagte sie. „Und das weißt du auch!“
„Und?“, spottete das kleine Teufelchen. „Hierbleiben ist eine Lösung? Du wirst nur alle unglücklich machen!“
Die Stimme machte eine Pause, setzte dann zum alles entscheidenden Schlag an.
„So wie du immer alle unglücklich gemacht hast!“
Die Tasse flog quer durch die Küche, knallte an die gegenüberliegende Wand und zersplitterte in tausend kleine Stücke. Der Inhalt hinterließ einen dunklen Fleck, in den man tausend Figuren hätte interpretieren können. Der Rest rann zu Boden.Zu spät ist auch ein Ort – D. Z. Fraser, 2025
Auszug aus Kapitel 5: Spuren
Ihr seht: da läuft nicht alles so, wie es erhofft, erwünscht und ehrlicherweise wenig geplant war. Hendriks Dämonen sind mit ihm ins Alte Land zurückgekehrt – und die offene Frage ist: Wie wird er sich ihnen stellen? Wird er sich ihnen stellen?
Zu spät ist auch ein Ort ist ein ruhiger Roman, der unseren Protagonisten Hendrik Seversen zurück ins Alte Land holt. Zwanzig Jahre war er nicht mehr dort – eine lange Zeit. Er hofft, eine alte Freundschaft wiederbeleben zu können, und muss doch feststellen: Alles ist anders, alte Gewissheiten sind verschwunden, neue Fundamente müssen gelegt werden.
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