Warum mein neues Buch kein Wohlfühlroman ist – und das auch nicht sein will

Zu spät ist auch ein Ort“ war ein leiser Roman. Einer, der Zeit gebraucht hat. Und der aus einem Impuls heraus entstanden ist – nicht ich wollte diese Geschichte schreiben, nein: Die Geschichte wollte geschrieben werden.

Und dann hat mir jemand gesagt, dass dies nicht ihr Buch wäre. Zu leise, zu ruhig, nicht ihr Genre. Und das ist für mich vollkommen in Ordnung. Ein Buch drängt sich nicht auf, es lädt ein. Und es ist ebenso in Ordnung, diese Einladung auszuschlagen.

Aber dennoch wollte diese Person etwas von mir lesen.
Was also tun? Wie umgehen mit der Frage: „Schreibst du auch Krimis?“

Die erste Antwort war ein Reflex: Nein. Nicht mein Metier. Zu viel Konkurrenz. Nicht mein Ding.

Ich bin nach Hause gefahren. Habe über diese Bitte nachgedacht. Habe mich an meinen Schreibtisch gesetzt. Warum eigentlich nicht?

Aber nicht so, wie sie es vielleicht von mir erwartet. Wenn schon ein Krimi – dann einer, an dem ich beim Schreiben Spaß habe. Einer, bei dem ich Dinge tun und lassen darf, die ich sonst eher nicht tun würde.

Gesagt, getan. Einen Plot kann man ja mal runterschreiben. Gewünscht ist gewünscht. Ein Krimi. Nicht irgendwo, sondern hier, bei uns. Und dieses „Hier bei uns“ heißt: Rhein-Main-Gebiet. Regional.

Und böse. Bitterböse. Voll von schwarzem Humor.

Schwarzer Humor ist kein Witz auf Kosten anderer, kein Zynismus und ganz sicher kein Mittel, um Leid kleinzureden. Schwarzer Humor lässt uns lachen, wo es eigentlich nichts zu lachen gibt. Er erlaubt Nähe, wo wir lieber auf Abstand bleiben würden. Er schafft Absurditäten, die weit genug vom Alltag entfernt sind, um sie gefahrlos aus der Nähe zu betrachten.

Die Figuren sind keine Helden – und keine Monster. Sie sind müde, eigensinnig, verloren und manchmal unerquicklich. Sie treffen Entscheidungen, die man nicht gutheißen kann. Aber vielleicht verstehen. Zumindest ein Stück weit. Moralisch sauber? Eher nicht. Interessant? Sehr wahrscheinlich. Menschen wie du und ich.

Die Orte sind real. Nicht die glitzernde Rhein-Main-Metropole mit ihren Hochhäusern und Postkartenmotiven. Sondern Hanau. Das Kinzigtal. Seligenstadt. Orte, die man kennt – und, wenn man sie kennt, wiedererkennt. Mit voller Absicht. Und wer sie nicht kennt, wird sie kennenlernen.

Noch ist dieses Buch nicht fertig. Es soll reifen, wachsen, die Kinderschuhe abstreifen. Aber ich wollte euch schon jetzt davon erzählen. Nicht laut. Nicht marktschreierisch. Eher als eine kleine, unmissverständliche Warnung.

Während es in „Zu spät ist auch ein Ort“ um das Leben nach einschneidenden Erlebnissen ging, geht es hier um die Banalität des Alltäglichen. Gepaart mit Absurditäten. Gewürzt mit einer ordentlichen Prise schwarzen Humors. Und garniert mit dem Tod, der eher zufällig zu seinen Auftritten kommt.

Guten Appetit.

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