Die Geschichte hinter der Geschichte

„Der Roman ‚Zu spät ist auch ein Ort‘ spielt zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Norddeutschland und innerer Landschaft. Wie ist die Idee zu dieser Geschichte entstanden – gab es einen bestimmten Auslösemoment?“


„Die Hauptfigur Hendrik trägt viel emotionales und biografisches Gepäck. Was macht Figuren spannend, die sich auf einer Art ‚innerer Reise‘ befinden?“

Was also macht einen solchen Protagonisten spannen? Wahrscheinlich genau das – wir können uns alle in ihm wiederfinden. Oder in Maren. Wir mögen nicht die gleiche Biografie haben, aber wir können die Verbindung herstellen. Und keiner der Protagonisten hat eine Zauberformel – sie stehen genauso ratlos vor der Situation wie wir.


Ziel ist ja nicht, einen Leser zu deprimieren oder zu belehren – sondern zu zeigen: Da kann auch etwas Positives dabei herauskommen. Vielleicht keine Lösung für einen selbst, aber ein klein wenig Wohlfühlen und Mitfreuen kann viel Licht in eine betrübliche Welt bringen. Also ja: das Alte Land vermittelt nicht nur Rauheit und Bodenständigkeit, sondern auch Gemütlichkeit und Wohlfühl-Oase.


Die Bilder entstehen dabei fast zwangsläufig im Kopf – die Landschaft, Gebäude, Personen. Ich bin ein visuell denkender Mensch. Und wenn ich die Szene sehe, dann kann ich Gefühle beschreiben. Nicht die Szene selbst erklären, sondern versuchen, die Emotion zu transportieren. Der Rest ist dann Feinschliff: Korrektur, Konsistenzprüfung, Anpassung. Aber meistens steht das Herz der Szene nach der Rohfassung.

Dabei spielt mein Arbeitsumfeld eine große Rolle – Licht, Stimmung, Musik. Und ja, es gab Szenen, die mich selbst emotional gefordert haben. Aber ich wusste ja, worauf ich mich einlasse. Und so darf Hendriks Schmerz auch mal mein Schmerz werden – umso besser kann ich ihn dann zu Papier bringen.






Auch inhaltlich gibt es hier natürlich den ein oder anderen Roman, der geprägt hat. Wieder: ich werde kein bestimmtes Werk in den Vordergrund stellen, aber wir reden nicht von „Copy what others wrote“ – aber Inspiration ist nun einmal etwas, dem wir uns nicht entziehen können. Und auch nicht sollten. Und so kann aus Stil und Inspiration als Beigabe zu eigenen Ideen etwas vollkommen Neues entstehen.