Das haben mich jetzt schon einige gefragt – und ich habe mir gedacht, ich lasse euch mal hinter die Kulissen blicken. Und oft ist es sogar so, dass gar nicht „der eine Text“ in der Mache ist, sondern dass ich parallel noch Ideen und Plots für andere Geschichten mache … aber der Reihe nach.

Ich habe mich nach langem Hin- und Her für Papyrus Autor als Schreibsoftware entschieden – aber am Ende ist es nicht „das Tool“, das das Buch ausmacht, sondern Autoren und ihre Ideen. Insofern: Lasst euch davon nicht ablenken – es hat keinen Einfluss auf die Qualität einer Geschichte.
Für diesen Post nutzen wir die Tatsache, dass ich mein Ermittler-Duo aus dem Rhein-Main-Gebiet so ins Herz geschlossen habe, dass ich ihnen zwei weitere Bände spendieren will. Während Bull’s Eye (Band 1) gerade veröffentlicht wurde, stehen Winternacht (Band 2) und Vermächtnis (Band 3) in den Startlöchern.
Wobei es hier nicht um ein Wettrennen geht, sondern eher um einen Staffellauf. Band 1 hat den Stab nun an Band 2 gereicht, Band 3 läuft sich gerade warm. Und dient uns nun erst einmal als Beispiel.

Hier entsteht eine Ideensammlung für Band 3 – das hier ist noch „ganz früh“, also ein erster Wurf. Einfach mal „runtergeschrieben“. Am besten geht sowas bei mir, wenn ich mal ein oder zwei Tage Ruhe habe … der erste Plot dauert grob zwischen drei bis fünf Tagen.
Wenn ich den ersten Wurf fertig habe, lasse ich ihn meist noch ein oder zwei Tage sacken – es ist ja nicht so, dass ich nicht noch andere Dinge zu tun hätte. Dann wird er nochmals durchgeackert, ergänzt, geändert, angepasst. Selten ist etwas beim „ersten Wurf“ schon final.
Wenn der „grobe Abriss“ steht – und das können durchaus 30 oder 40 Seiten sein! – geht es an das Filettieren: Aus dem großen Text werden erst Kapitel, dann Szenen geschnitten … das sieht dann so aus:

Noch immer ist der Text kein „Roman“ – es wird nur detaillierter und detaillierter. Und irgendwann ersetze ich diesen „Pseudotext“ durch den eigentlichen Roman. Stück für Stück. Und so wächst langsam, was zunächst als grobe Idee in meinem Kopf begonnen hatte.
Der Autor und die „Künstliche Intelligenz“
Leider ist es heute so, dass viele „Bücher“ reine KI-Produkte sind. Jemand will schnell Geld verdienen und schert sich einen Dreck darum, dass Leser – und auch andere Autoren, die viel Zeit und teilweise Geld investieren – ein faires Produkt erwarten.
Als Autor möchte ich eine Geschichte erzählen und meine Leserinnen und Leser unterhalten, im besten Fall so gut, dass sie das Buch weitergeben oder es irgendwann nochmals lesen!
Trotzdem ist KI von Nutzen – wenn man sie als Autor verantwortlich einsetzt. Für mich sieht das so aus: Wenn ich meinen Plot habe, lasse ich mir Bilder erstellen. Ich bin ein visueller Mensch, ich „funktioniere“ am besten, wenn ich etwas vor mir sehen kann. Manchmal reicht das „innere Auge“, manchmal lasse ich mir ein Bild malen.
Hier mal ein Beispiel aus Band 2 – wir sehen Stefan, einen der Protagonisten, bei einer frühen Szene im Keller seiner Werkstatt.

Bei mir passieren jetzt zwei Dinge: Erstens kann ich mit solchen Visualisierungen ein „Storyboard“ bauen, das mir bei der weiteren Verfeinerung des Plots hilft. Und ich „sehe“ meine Protagonisten.
Sehr häufig fließt eine Menge Zeit in die sogenannten Prompts – in diesem Fall für Midjourney, bis mich das Ergebnis überzeugt. Es geht nicht darum, das Bild zu veröffentlichen oder irgendwie im Roman zu verwenden – es dient dem Autor als „immersives Objekt“.
Weitere Anwendungen von KI sind natürlich Rechtschreib- und Grammatikkorrekturen. Hier kommt die eingebaute Funktion der Schreibsoftware ebenso zum Einsatz wie externe KIs, immer mit dem klaren Auftrag, mir die entsprechenden Duden-Regeln zu benennen. Nicht immer liegt der „künstliche Partner“ bei seinen Vorschlägen richtig – aber er bringt mich dazu, mich mit den Sätzen zu beschäftigen, um Entscheidungen zu treffen.
Und da der Autor „blind für sein Werk“ ist, weil er es im Verlauf der Erstellung endlos oft gelesen hat und weil das menschliche Gehirn dazu neigt, Dinge unterbewusst zu korrigieren, die objektiv falsch sind, nutze ich eine andere KI, um das Medium zu wechseln: Aus geschriebenem Text wird Sprache. Ich lasse mir meine Texte vorlesen. Es ist erstaunlich, was dabei noch an Fehlern offenbar wird.
Mitunter nutze ich die KI auch als „Sparringspartner“ – sie ist unheimlich gut darin, meine Texte zu verstehen und zum Beispiel „offene Enden“ zu identifizieren. Was mich als Autor dann wiederum dazu bringt, mir zu überlegen, wie ich diese Stränge abschließen will.
Aber: Auf gar keinen Fall lasse ich die KI Text für mich schreiben – meine Prompts sind allesamt so gestaltet, dass ich ihr das explizit verbiete. Denn Schreiben ist meine Freude, die lasse ich mir nicht nehmen!
Der Abschluss
Auch wenn man an seinem eigenen Werk „immer irgendwas“ findet – irgendwann ist dann mal der Punkt erreicht, da musst Du damit „in den Druck“ gehen. Feedback von anderen ist wichtig. Ich habe eine kleine Anzahl von Testlesern, denen ich kritisches Feedback zutraue und nicht enttäuscht worden bin.
Doch Vorsicht! Wenn es heißt, „Freunde und Familie wollen dem Autor schmeicheln“ – das geht auch anders herum: Die eigenen Freunde und Familie können die größten Kritiker sein – eben weil sie den Autor kennen. Und wenn sie dann noch in Grammatik und Rechtschreibung bewandert sind … ist man ganz schnell bei Streitgesprächen über die Sonderregeln und deren Behandlung im Duden.

Aber irgendwann ist es dann soweit: Die letzte Korrektur ist getan, die finale Fassung liegt vor. Nun kommt die Entscheidung über die Veröffentlichung: Wann? Wo? Wie?
Alles hat seine Vor- und Nachteile: Amazon ist mit seinem KDP Service schnell, unkompliziert und vor allem global vertreten. Aber ohne eigene ISBN Nummer landet man „nur“ auf der Amazon-Webseite.
Andere Anbieter nehmen teilweise Geld, dafür landet man mit eigener ISBN auch im Verzeichnis der lieferbaren Bücher, aus dem sich wiederum die Buchhändler bedienen. Hier muss jeder selbst zu Vor- und Nachteilen recherchieren – was für mich gut ist, muss für andere nicht passen. Und selbst ich muss von Buch zu Buch überlegen, was ich will…
Marketing? Marketing! Marketing …
Und auch hier muss jede Autorin und jeder Autor selber wissen, was er oder sie möchte. Denn Marketing kostet Geld. Geld, das man mit selbst veröffentlichten Romanen – da sollte man ehrlich sein! – aller Wahrscheinlichkeit nicht wieder einspielen wird. Vor allem dann nicht, wenn man vorher einen Cover-Designer beauftragt und Korrektorat sowie Lektorat gegen Geld hat durchführen lassen.
Sich nur auf Amazon zu verlassen, funktioniert nicht. Meine Sachbücher verkaufen sich ohne viel Marketing, weil sie „Nische“ sind – da reichen Qualität und drei oder vier einschlägige Facebook-Gruppen. Bei Romanen ist das anders – da gibt es zu viele neue Werke jeden Monat. Und wie sticht man da aus der Masse heraus? Möglichst, ohne dass man dabei pleitegeht?
Die Antwort ist: Entweder Glück haben, Beziehungen haben oder einfach abwarten. Kreativ sein. Seine Erwartungshaltung mäßigen – keiner wartet nur auf meine Bücher! Und nur, weil sie mir gefallen, müssen es keine Bestseller werden.
Und auch, wenn sich nur wenige Exemplare verkaufen: Den Spaß am Schreiben – die Tatsache, dass meine Bücher in der National- und der Landesbibliothek stehen (OK, Hessen nimmt mittlerweile eBooks, da steht nix mehr…) – das alles kann dir niemand nehmen. Und ich finde, das ist schon eine ganze Menge!